Symposium in Memory of Diter von Wettstein

Time: Sunday, September 17 (2 pm - 6 pm)

Place: Christian-Albrechts-University, Hebbel-Hörsaal, Olshausenstraße 40, Kiel

Moderation: Mats Hansson (Lund), Karl-Heinz Kogel (Gießen)

Mats Hansson
University of Lund, Sweden
Employing barley mutants to dissect a chlorophyll biosynthetic enzyme

Roberto Bassi
University of Verona, Italy
Light use efficiency and photoprotection

Henrik Vibe Scheller
Joint BioEnergy Institute, Emeryville, California, USA
Making a plant out of thin air - the role of cell walls in plant interaction with mycorrhizal fungi and rhizobia

Birte Svensson
Technical University of Copenhagen, Denmark
Proteins and enzymes behind barley grain development and germination

Brigitte Regenberg
University of Copenhagen, Denmark
Extrachromosomal circular DNA are common products of cross-over in the eukaryotic genomes

Sachin Rustgi
Clemson University, Florence, USA
Gazing the last decade of a legend Dr. Diter von Wettstein’s life: Working hard on the problems of plant breeding and biotechnology

 

Diter von Wettstein

20. September 1929 – 13. April 2017

Diter von Wettstein wurde in Göttingen in einer Familie von bekannten Botanikern (drei Generationen) geboren. Diese hatten ihre Wirkungsstätten an den Universitäten in Prag, Budapest, Innsbruck, Wien und Berlin. Nach seinem Examen an der Universität Innsbruck studierte von Wettstein ab 1947 Botanik und Genetik an der Universität Tübingen, gefolgt von verschiedenen Aufenthalten im Ausland, u.a. einem einjährigen Aufenthalt an der ETH in Zürich.

1951 zog von Wettstein nach Stockholm, um an der Gerstenzüchtung bei Prof. Åke Gustafs­son mitzuarbeiten. Im Sommer arbeite er am Institut für Pflanzenzüchtung in Sva­löf/Schonen. Gleichzeitig setzte von Wettstein seine Arbeiten über die Polarität von Moos-Sporen bei Prof. Erwin Bünning fort und promovierte damit 1953 zum Dr. rer. nat. an der Universität Tübingen. Für seine Arbeiten an den verschiedenen Projekten erhielt er im glei­chen Jahr den Doktortitel in beiden Ländern, Deutschland und Schweden. Von Wettstein blieb danach in Schweden und studierte dort mit Hilfe der Elektronenmikroskopie die Ultrastruktur von Körnern (Grünkorn) der Braugerste und wie die Struktur der Körner in ver­schiedenen Mutanten verändert war. Für diese Arbeiten erhielt er im Jahr 1957 den Titel eines fil.d. in Schweden. Von Wettstein und einige seiner späteren Mitarbeiter leisteten für viele Jahr erfolgreiche Pionierarbeit auf dem Gebiet der Photosynthese. Von Wettstein wurde Dozent an der Universität Stockholm und revolutionierte dort den Genetikunterricht durch Einführung von Laborversuchen mit Bakterien und Bakteriophagen.

1962 wurde Diter von Wettstein Professor für Genetik an der Universität Kopenhagen. Wie­der etablierte er neue Laborübungen mit Mikroorganismen, auch Pilzen wie Aspergillus und Neurospora. In der gleichen Zeit setzte er seine Arbeiten über Braugerste-Mutanten und deren Grünkorn fort. Zusammen mit seinem Vorgänger auf der Stelle, Mogens Westergaard, verwirklichte er ein umfassendes Projekt zur Chromosomenpaarung und zum Genaustausch während der Meiose. Auch durch dieses Projekt erzielten von Wettstein und seine Mitarbei­ter über viele Jahren epochemachende wissenschaftliche Ergebnisse.

1967 heiratete von Wettstein Penny Knowles, ebenfalls Pflanzengenetikerin, die er Jahre vorher während eines Forschungaufenthaltes in Kalifornien kennengelernt hatte. Sie haben zwei Töchter, Heidi und Kim.

In Verbindung mit einem großen Ausbau des Carlsberg Laboratoriums in der ersten Hälfte der 70iger Jahre verließ von Wettstein die Universität und wurde Vorstand/Direktor der Phy­siologischen Abteilung. Es war hier, wo von Wettstein seine größten Beiträge zur Genetik und Molekularbiologie leistete. Carlsberg finanzierte 27 Forscherstellen in der Abteilung, und von Wettstein weitete die Abteilung durch externe Mittel und Kooperationen mit anderen Betrieben/Unternehmen aus. Auf diese Weise stieg die Anzahl der Mitarbeiter über einen langen Zeitraum auf über das Doppelte an. Es gehörte zu von Wettsteins erfolgreicher Stra­tegie, die jungen neu angestellten Mitarbeiter in ausländische Laboratorien zu senden, - wis­send, dass sie nach Jahren ausgestattet mit einem breiten Repertoire an internationalen Forschungserfahrungen zurückkommen.

Die Arbeit seines Labores war auf Gerste und Hefe ausgerichtet, die beiden für das Bierbrauen wichtigen Organismen. Auf diese Weise glückte es von Wettstein, den Rahmen für eine um­fassende wohlüberlegte Strategie zur Verbindung von grundlagenorientierter Forschung und besonderen visionären Anwendungsprojekten zu schaffen, die heute das Rückgrat der auf die Brauerei bezogenen Forschung des Carlsberg Laboratoriums sind.

Großer Enthusiasmus und eine ungewöhnliche Energie zeichneten von Wettsteins Tätigkeit aus und waren ein glänzendes Vorbild für Studierende und Forscher der Abteilung.

Nachdem er mit seiner Familie am Abend zu Hause gegessen hatte, kam er gern zurück ins Laboratorium, um bis spät in die Nacht weiter zu arbeiten an Artikeln, Anträgen, Referenzen oder Verträgen. Auf dem Heimweg nahm er sich gern Zeit, ganz informell/formlos vereinzelt anwesende Mitarbeiter zu ihren Experimenten und letzten Ergebnissen zu befragen.

Wenn ein Mitarbeiter allein oder mit einer Gruppe anderer eine Arbeit geschrieben hatte, las von Wettstein die immer gründlich. Einen Tag nachdem man ihm die Arbeit gegeben hatte, saß man zusammen mit ihm in seinem Büro, um die Arbeit zu überprüfen. Die war gern voll von handschriftlich sorgfältig geschriebenen Verbesserungsvorschlägen, und es war offen­sichtlich, dass er die Zeit gebraucht hatte, um sich tief in die übergeordneten Gedanken­gänge als auch in die Details einzudenken. Es war für ihn wichtig, dass man jeden einzelnen Verbesserungsvorschlag verstand. Nicht nur deshalb, weil durch die Diskussion der Artikel so gut wie möglich verbessert werden konnte, sondern auch damit der Mitarbeiter maximal aus der Prozedur lernen konnte.

Diese Sorgfältigkeit war die gleiche, egal ob von Wettstein Co-Autor der Publikation war oder nicht. In vielen Fällen war er zwar involviert, wollte aber nicht Co-Autor werden, weil er seinen Beitrag als zu gering erachtete.

In der Auswahl und Ausführung der Forschungsprojekte war es von Wettstein wichtig, dass die Arbeit das Potenzial hatte, zu wichtigen unerwarteten Entdeckungen zu führen. Diese wurden oft durch Mitarbeiter der Abteilung in Kooperation mit anderen Instituten gemacht. Zwei Bespiele aus den 80iger Jahren: In Kooperation mit der Yale University gab es den aufsehenerregenden Befund, dass eine t-RNA direkt in die Biosynthese von Chlorophyll involviert ist. In Kooperation mit der Universität Kopenhagen wurde gezeigt, dass die Hefe für Bier vom Pilsner-Typ eine Hybride ist. Diese Entdeckung war wichtig für die spätere Vered­lung der Hefe von Carlsberg.

Von Wettstein legte großes Gewicht darauf, dass die Abteilung Forscher ausbildet und wei­terbildet, die nach dem Verlassen der Abteilung wichtige Beiträge zu Forschung und Unter­richt in Industrie und Universitäten in Dänemark und im Ausland leisten können. Auch in die­sem Bereich war sein Einsatz außerordentlich fruchtbar.

Von Wettstein liebte Forschung und wirkte als ein ausgezeichneter Mentor für eine ganze Generation von heute bekannten Forschern. Er umgab sich mit seriösen Personen und hatte nichts übrig für schlechte Führung und Bürokratie. Er hatte ein pragmatisches Verhältnis gegenüber Regeln, wenn diese nicht einer guten Sache dienten. Das war eine große Stärke, die ihm einige Male auch große Schwierigkeiten einbrachte.

Von Wettstein verließ das Carlsberg Laboratorium in 1996, als mit seinem 67sten Geburtstag sein Vertrag auslief. Er blieb aktiv in der Forschung, zuerst und hauptsächlich an der WSU in Pullman. Von Wettstein starb am Gründonnerstag, den 13. April 2017 in Dänemark. Geehrt werde die Erinnerung an ihn.

Birger Lindberg Møller and Morten Kielland-Brandt

Universität Kopenhagen